Thüringen 2013

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14.06. - 17.06.06.2013

Tag 1 = Freitag 14.06.2013
Endlich ist es soweit. Dreimal habe ich bereits diese Tour verschoben, weil die Wettervorhersage für Thüringen jedesmal reichlich Regen angekündigt hatte. Für das bevorstehende Wochenende sind die Aussichten positiv, eine Pension habe ich im Vorfeld gegoogelt, also geht es um 14.00 Uhr los. Ich will erstmal Kilometer machen und fahre auf die Autobahn. Im Ruhrgebiet ist gut was los, schließlich ist Freitagnachmittag und alles will nach Hause.  In der Nähe von Unna verlasse ich die Autobahn und wechsele auf die B1, der ich bis Salzkotten folge. Dort lege ich nach gut 200 km bei Currywurst-Pommes-Kaffee auch meine erste Pause ein. Ab hier beginnt dann auch die Fahrt Spaß zu machen, die Landschaft verändert sich, es wird etwas hügeliger und kurviger. In den Dörfern stehen immer mehr Fachwerkhäuser. Irgendwann fahre ich über die ehemalige innerdeutsche Grenze und erreiche das Eichsfeld. Ziel ist Leinefelde-Worbis und dort die Pension “An der Uferpromenade”. Gegen 20.00 Uhr  treffe ich dort ein und werde freundlich begrüßt. Das Zimmer ist klein, aber sehr sauber, das zum Zimmer gehörende Bad liegt gegenüber und ist ebenfalls sehr sauber. Beim Auspacken stelle ich fest, dass mein Handy zu Hause am Ladegerät hängt, ich kann mich also noch nicht mal dort melden.  Da ich mir noch Bargeld besorgen muss, spaziere ich noch eine Runde durch die Innenstadt mit sehr schönen alten Gebäuden. Irgendwann meldet sich auch noch der kleine Hunger und ich genehmige mir im  Hotel “Drei Rosen” eine Eichsfelder Schlachtplatte mit einem (oder zwei?) Weizenbier vom Fass.

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Tag 2 = Samstag 15.06.2013
Ich bin früh auf den Beinen und sitze kurz nach 7.00 Uhr schon beim Frühstück. Mit der Pensionswirtin kommt eine angeregte Unterhaltung in Gang und die Zeit vergeht wie im Flug. Kurz nach 9.00 Uhr starte ich in Richtung Harz. Das ist hier wirklich eine wunderschöne Gegend, es geht rauf und runter, durch Wälder und kleine, verschlafene Dörfer. Auch für jeden Kurvengeschmack ist was dabei.

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Am Bahnhof der Harzer Schmalspurbahn in Drei Annen Hohne will ich eigentlich nur eine Pause machen und mir die alte Dampflok ansehen, die da gerade angeschnauft kommt. Dann entschließe ich mich spontan, mit der Bahn auf den Brocken zu fahren. Der Fahrpreis von 32,- Euro verschlägt mir zwar kurzfristig die Sprache, aber wahrscheinlich komme ich nie wieder hierher, also nutze ich die Gelegenheit eben.

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Die Fahrt auf den Brocken dauert ungefähr 50 Minuten, der Zug ist rappelvoll, ich habe mir einen Platz auf der Plattform zwischen zwei Waggons gesichert, ist zwar etwas windig, aber man bekommt hier einfach am meisten mit. Die Fahrt ist wirklich schön, es geht durch dunkle Waldstücke, hin und wieder hat man auch mal etwas Fernsicht. Wir kreuzen einige Male die Wanderwege, man glaubt gar nicht, wie viele Menschen zu Fuß nach oben gehen. Einmal fahren wir auf ein Abstellgleis und lassen einen talwärts fahrenden Zug vorbei. Die Weichen werden hier tatsächlich noch von Hand umgestellt.

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Auf dem Brocken ist es heute sehr windig und kalt, trotzdem ist hier ordentlich was los. Wahrscheinlich denken viele so wie ich....
Ich bin froh, dass zur Aussichtsebene (die schrägen Glasflächen) ein Aufzug fährt. Zu DDR-Zeiten hat man von hier oben den westlichen  Klassenfeind abgehört. Erst 1994 verließen die letzten russischen Soldaten die militärischen Anlagen. (mehr Infos)

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Nach ca. zwei Stunden Aufenthalt fahre ich wieder runter. Mir hat´s gut gefallen und der Brocken ist nun mal auch deutsche Kultur.
Ich beschließe, Richtung Worbis zu trödeln, da ich ja abends noch was vor habe. In Thale lasse ich mich dazu verleiten, mit einer Seilbahn ins Tal zu fahren. Unten esse ich ein Fischbrötchen (im Harz!!) und fahre wieder hoch. Nächste Station ist die Rappbodetalsperre. An die Staumauer schließt sich ein kurzer Tunnel an, der einen Motorradfahrer dazu verleitet, dort mehrfach in einem niedrigen Gang da durch zu brettern. Ich kann nicht widerstehen und fahre auch einmal hin und zurück: der Sound ist wirklich Klasse.

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In der Pension mache ich frisch (soweit möglich) und fahre nach Beuren, wo ich ein befreundetes Ehepaar besuchen will, die ich seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr gesehen habe. Der männliche Teil war mal für einige Jahre mein Arbeitskollege, wir haben uns vor zwei Jahren per Zufall bei Fb wiedergefunden. Die Überraschung gelingt absolut perfekt, Sylvia erkennt mich nicht mehr. Dann ruft sie ihren Mann aus dem Garten, er erkennt mich sofort und ist ganz aus dem Häuschen. Ich werde zum Grillen eingeladen und habe sofort ein Bier vor mir stehen. Mein schwacher Protest “äh, Hotel, keine Zahnbürste, etc” wird kategorisch beiseite gefegt. Es kommt noch ein befreundetes Paar (Heike und Olaf, war nett, euch kennen zu lernen) dazu, irgendwann landet mein Motorrad in der Garage  und es wird ein langer, toller Abend. Irgendwann verabschieden sich Heike und Olaf, Sylvia geht schlafen und Sven und ich quatschen, bis am Horizont  schon wieder ein heller Streifen erscheint.

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Tag 3 = Sonntag 16.06.2013
Ich bin um 7.30 Uhr wach, steige unter die Dusche und drehe anschließend eine Runde ums Haus. Irgendwann sind auch Sven und Sylvia auf den Beinen, ich fahre mit Sven nach Leinefelde zum Bäcker. Nach einem ausgiebigen Frühstück zeigt er mir noch etwas die Umgebung und wir fahren auf Burg Scharfenstein. Dort waren wir bei unserem letzten Besuch im Frühjahr 1990 schon mal, es hat sich einiges verändert.
Ich verabschiede mich von Sylvia. Sven fährt noch mit nach Worbis zu meiner Pension, dort stellt sich heraus, dass die Pensionswirtin aus Beuren stammt und Sylvia kennt, so klein ist die Welt. Sven verabschiedet sich mit einer Einladung für den Abend.

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Blick von Burg Scharfenstein über Beuren hinweg in Richtung Harz. 

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Ich mache eine Stippvisite im “Alternativen Bärenpark Worbis”, wo seit 1997 Bären aus nicht artgerechter Haltung aufgenommen werden. Ist schon etwas deprimierend, wenn man diese Tiere dort sieht und weiß, was sie teilweise für einen Leidensweg hinter sich haben.

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Für heute habe ich mir den Besuch der Wartburg in Eisenach vorgenommen. Da komme ich nach knapp zwei Stunden Spazierfahrt auch an und beschließe leichtsinnigerweise, nach oben zu laufen. Ganz schön anstrengend. Aber es lohnt sich, der Ausblick ist  grandios und die Burg selbst ist auch sehenswert, wenn man sich für sowas interessiert (wenn nur diese Kletterei nicht wäre).

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Nach einem “kurzen” Schlenker über Erfurt bin ich gegen 20.00 Uhr wieder in der Pension, steige unter die Dusche und lege mich kurz auf´s Bett, um mir im Fernsehen die Wettervorhersage für den nächsten Tag anzusehen. Danach will ich ja noch nach Beuren. Als ich wieder wach werde, ist es draußen dunkel und mein Wecker zeigt 0.30 Uhr, für einen Besuch etwas zu spät.

Tag 4 = Montag 17.06.2013
Heute geht es wieder nach Hause. Beim Frühstück komme ich mit der Pensionswirtin und ihrem Mann ins Gespräch, sie geben mir noch einige Tipps zu Sehenswürdigkeiten, die auf meiner Route liegen. Das sind einige, also muss ich aussortieren, sonst komme ich nie zu Hause an. Ich entschließe mich, zuerst zum Grenzlandmuseum Eichsfeld zu fahren. Leider schiebt sich gerade eine größere Schulklasse samt Führung durch das Gebäude, so daß ich relativ wenig mitbekomme. Bei der Betrachtung der ausgestellten Exponate und dem Lesen der Texttafeln schwankt man ständig zwischen Ungläubigkeit und Beklemmung. Im Außenbereich finden sich an einem 6 km langen Rundweg auch Original-Grenzanlagen, dafür fehlt mir heute aber einfach die Zeit.

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Als nächstes Ziel steht Duderstadt auf dem Zettel, und es lohnt sich wirklich. Wer sich für ein mittelalterliches Stadtbild erwärmen kann, ist hier bestens aufgehoben. Ganze Straßenzüge mit Fachwerkhäusern, eins schöner und  bunter als das andere, reihen sich aneinander.

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An der nächsten Anlaufstelle habe ich Pech, die Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen hat montags geschlossen, genauso wie das am gleichen Ort gelegene Europäische Brotmuseum. Ich beschließe, mich nicht weiter aufzuhalten, zumal es mittlerweile in den Motorradklamotten ganz schön warm wird, und mache mich auf den Weg nach Hause.

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Irgendwo unterwegs gönne ich mir im Biergarten eines Lokals noch einen “Strammen Max”, so groß wie ein Wagenrad. Im Ruhrgebiet erwischt es mich dann doch noch. An einer Tankstelle muss ich zehn Minuten warten, weil es plötzlich beginnt zu regnen. Das ist aber schnell wieder vorbei, ich kann weiterfahren und bin kurz nach 19.00 Uhr zu Hause.

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