Norwegen 2012

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26.05. - 11.06.2012 Norwegen

Route

Samstag, 26.05.2012 
Nach einem kurzen Frühstück starten wir um 8.00 Uhr zu unserer Norwegen-Tour. Drei Wochen liegen vor uns, eine grobe Planung gibt es auch, alles Weitere wird sich ergeben. Wir kommen gut voran, nach ca. 150 km machen wir auf der Höhe von Salzbergen eine erste kurze Rast. Eine zweite Pause gönnen wir uns bei Bremen nach weiteren ca. 150 km. Dann wird der Verkehr dichter, auch langsamer und kommt vor dem Elbtunnel dann auch zeitweilig zum Stillstand. Alles kein Problem, um 16.30 Uhr sind wir in Kiel am Schwedenkai, ich hole unsere Tickets ab und um 17.00 Uhr rollen wir in die Fähre. Sichern müssen wir die Maschinen selber, es sind ausreichend Spanngurte vorhanden. Wir haben eine Innenkabine auf Deck 10 nahe am Ausgang. Auf dem Sonnendeck hat mittlerweile eine kleine Bar geöffnet und findet sofort enormen Zuspruch. Wir wollen auch was abbekommen, ich stelle mich in die Reihe und hole zwei Bier ab. Mich trifft fast der Schlag, ich darf 10 Euro hinlegen. Aber egal, es schmeckt. Wir kommen mit einem Ehepaar mit zwei Kindern aus München ins Gespräch, er ist gebürtiger Kölner. Irgendwann nach dem dritten oder vierten Bier „muss“ er mit seiner Familie essen gehen und auch wir wollen noch was haben. Im „Taste Buffet Restaurant“ auf Deck 8 gibt’s ein All-inclusiv-Büffet für schlappe 37 Euro pro Person. Eine Stunde lang geniessen wir Fisch, Krabben, Hummer etc. vom Feinsten. Irgendwann geht nichts mehr und wir verschwinden in den Kojen.

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Sonntag, 27.05.2012 
Am Bett hat´s sicher nicht gelegen, dass ich schlecht geschlafen habe, eher an der Klimaanlage , die eine sehr trockene Luft in die Kabine geblasen hat. Dem Frühstücksbüfett kann ich irgendwie nichts abgewinnen, der Fisch vom Vorabend nimmt noch zuviel Platz ein. Um 9.00 Uhr legt die Fähre pünktlich in Göteborg an, es ist schon sehr warm und das Ausschiffen wird in der Motorradkluft zur Qual, da es sich doch ziemlich in die Länge zieht. Aber auch das geht vorbei und wir fahren nach Oslo, wo wir eigentlich die erste Nacht auf dem Ekeberg-Camping oberhalb vom Hafen verbringen wollten. Dummerweise ist dieser Platz bis zum 31. Mai geschlossen und wir müssen uns was Anderes suchen. Auf der anderen Seite des Oslofjordes finden wir dann einen schönen Platz, die Zelte stehen nah am Wasser, der schnell gekaufte Einmal-Grill bringt unsere mitgebrachten Würstchen auf Temperatur, auf Bier müssen wir leider verzichten, da am Wochenende auf dem Campingplatz kein Alkohol verkauft werden darf. Wir beschliessen, den nächsten Tag mit Faulenzen und Sonnenbaden zu verbringen.

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Montag, 28.05.2012 
Sonnenbaden fällt aus, da keine Sonne mehr da ist, dafür aber ein kräftiger und sehr kalter Wind, der in Nord-Süd-Richtung über den Fjord geht. Da wir nicht den ganzen Tag im Zelt hocken wollen, beschliessen wir, zur Museumsinsel Bygdøy zu fahren. Wie sich herausstellt, eine gute Entscheidung. Das Wikingerschiffmuseum und das Kon-Tiki-Museum zeigen beeindruckende Exponate. Von der Insel hat man auch einen sehr schönen Blick auf den Hafen und die ein- und auslaufenden Fähren.
Abends wollten wir im Restaurant auf dem Campingplatz nur ein Bierchen trinken und ein Häppchen essen. Gegönnt haben wir uns dann aber ein hervorragendes Entrecoté und zwei große Bier. Lecker!

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Dienstag, 29.05.2012 
In der Nacht bin ich mehrfach wach geworden, es ist kalt, es ist stürmisch, und richtig müde bin ich auch nicht. Um 5.30 Uhr krieche ich aus dem Zelt: strahlend blauer Himmel, die Sonne steht schon relativ hoch (offizieller Sonnenaufgang war schon vor 4.00 Uhr!) und es ist saukalt. Also ab zum Duschen, anschließend die Zelte abbauen, um 8.00 Uhr sitzen wir auf den Motorrädern und fahren 10 Minuten später auf der Stadtautobahn in einen endlosen Stau. Ein Taxifahrer erklärt uns im Vorbeifahren, dass Motorräder auf der Taxi/Bus-Spur fahren dürfen. Genial, nach einer halben Stunde lassen wir Oslo hinter uns. Beim nächsten McDonalds wird ein gesundes Frühstück eingenommen und dann geht es ab nach Lillehammer. Wir folgen den Hinweisen zum Museum Maihaugen, einem großen Freilichtmuseum mit etlichen alten Gebäuden. Nach einer Stunde Kultur fahren wir über die E6 bis Ringebu und finden dort ein Camping-Hinweisschild. Es geht gnadenlos aufwärts und nach ca. 15 km sind wir in 850 mtr. Höhe mitten in einem Skigebiet. Also zurück, ein weiteres Hinweisschild führt ebenfalls über 800 mtr hoch, aber der Platz gefällt uns. Der Besitzer erzählt uns von -2,5° in der Nacht zuvor und empfiehlt uns eine Hütte (mit Heizung, Dusche, WC und TV). Der Preis ist gut, Grillen fällt aus, das kurz zuvor gekaufte Fleisch wird konventionell gebraten, vorher eine von Omas Tütensuppen, das alles bei 20° in der Hütte = alles klar. Draußen fällt das Thermometer um 24.00 Uhr auf unter 0°C, Zeit zum Schlafen.

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Mittwoch, 30.05.2012 
Wir werden erst nach 9.00 Uhr wach, nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir los und landen sofort in einer malerischen Kulisse. Der Rondane Nationalpark ist der älteste Nationalpark in Norwegen und besteht bereits seit knapp 50 Jahren. Er ist sozusagen die Heimat der frei lebenden Rentiere (gesehen haben wir keine). Hier reihen sich etliche Berggipfel aneinander, darunter auch einige Zweitausender. Wir sind den ganzen Tag unterwegs, bei Temperaturen zwischen 3° und 10° ganz schön frisch, aber es hat sich gelohnt. Das Panorama lässt einen schnell die kalten Füsse vergessen.

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Donnerstag, 31.05.12 
Um 7.00 Uhr klingelt der Wecker, frühstücken, packen, bezahlen: meine Kreditkarte schüttelt den Kopf. Zum Glück hat Elfriede uns Kronen besorgt, so dass wir ohne Probleme bezahlen können. Dann geht´s los: nach einigen Kilometern ein (kleiner) Graupelschauer. Mitten im schönsten Bergpanorama zwängen wir uns in die Regenklamotten (eine weise Entscheidung) und fahren weiter Richtung Trondheim. Auf den nächsten 250 km lernen wir die norwegische Wetterpalette kennen: Temperaturstürze bis zum Gefrierpunkt, 2 cm Schnee auf der Windschutzscheibe, stömender Regen, eiskalter Wind, es ist ausser Sonne alles dabei. Völlig durchgefroren fahren wir etwa 40 km vor Trondheim auf einen Campingplatz und mieten dort wieder eine Hütte. Die hat zwar nicht ansatzweise den Komfort wie ihre Vorgängerin (ohne Dusche, WC und TV), aber auch eine Heizung. Das ist auch das Einzige, was heute zählt. Nachdem wir einigermaßen aufgetaut sind, fahren wir zum COOP und decken uns mit Lebensmitteln ein. Der Campingplatz-Besitzer meint, das Wetter bliebe wohl in den nächsten Tagen so. Ein schwacher Trost ist das Telefonat mit Zuhause: das Wetter ist dort auch nicht besser, nur nicht so kalt. Zum Abendessen gönnen wir uns Koteletts aus der Pfanne, kein Mensch käme hier auf die Idee, zu grillen.

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Freitag, 01.06.2012 
Ich habe sehr gut geschlafen und will eigentlich garnicht so richtig raus. Aber nach einem guten Frühstück traue auch ich mich vor die Türe. Es ist kalt, aber sonnig. Wir wollen nach Trondheim und starten gegen 10.00 Uhr, ohne Regenklamotten, es ist ja sonnig. Das ändert sich aber nach der 3. oder 4. Kurve, eine Schnee-Regen-Graupel-Schauer zwingt uns auf den Seitenstreifen und wir klettern wieder in die Gummis. Fängt ja gut an. Als wir die Reissverschlüsse hochziehen, kommt die Sonne wieder durch. Egal, wir fahren jetzt gummiert weiter. Auf dem Rest der Strecke fällt natürlich kein Tropfen mehr. In Trondheim den Nidaros-Dom zu finden, ist wirklich nicht schwer, dafür die Suche nach einem geeigneten Parkplatz schon eher (geeignet=direkt dabei und kostenlos). Eine in gelbe Warnkleidung gewickelte Fahrschullehrerin zeigt uns einen solchen Platz (gibt es tatsächlich), steigt auf den Sozius des Fahrschul-Motorrades, winkt uns fröhlich zu und lässt sich von ihrem Fahrschüler davon fahren. Wir machen einen Rundgang durch den Dom, in dem bisher alle norwegischen Könige gekrönt wurden und besichtigen den (früheren) Sitz des Erzbischofs, heute ein Museum, in dem auch die Reichsinsignien ausgestellt sind. Sehenswert. Wir wollen noch was essen, finden aber nichts, der Hafenbereich ist eine große Baustelle. Im Vorbeifahren sehen wir noch ein großes Kreuzfahrschiff am Pier. Wir orientieren uns wieder Richtung Campingplatz, biegen aber unterwegs einfach mal ab und folgen einer Schotterstrecke, die laut Hinweisschild zu einer Sehenswürdigkeit führen soll. Irgendwie haben wir die aber wohl verpasst und landen nach etlichen Kilometern auf einem ziemlich heruntergekommenen Gehöft, also wenden und zurück. Hat aber Spaß gemacht.
Auf dem Campingplatz angekommen, zeigt der Tacho exakt 2.000 gefahrene Kilometer an.

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Samstag, 02.06.2012  
Wir fahren ein kurzes Stück in Richtung Trondheim, dann über die Europastrasse 39 nach Westen. Eine gute Entscheidung, wie sich schnell herausstellt. Die Strecke ist fantastisch, schön kurvig, aber nicht zu kompliziert. Hier reihen sich die Postkartenmotive aneinander, es fällt manchmal schwer, sich auf´s Fahren zu konzentrieren. Eine kurze Fährüberfahrt (7 km) und die 1.250 mtr. lange Gjemnessundbrücke gehören ebenfalls dazu. Eine Empfehlung für alle Norwegenfahrer, die in diese Region fahren. Kurze Regenschauer wechseln sich mit strahlendem Sonnenschein ab. Höhepunkt an diesem Tag ist der Atlanterhavsvegen von Vevang nach Kravag mit seinen 8 Brücken von Inselchen zu Inselchen. Wir fahren noch gut 20 km in südlicher Richtung und finden auch einen Campingplatz. Da es wieder zu regnen beginnt, lassen wir die Zelte verpackt und nehmen uns wieder eine Hütte. Dann die böse Überraschung. Als wir ins nächste Dorf fahren, um noch Lebensmittel einzukaufen, stehen wir vor verschlossenen Türen: Samstags schließen die Läden um 18.00 Uhr, uns bleiben nur Oma´s Tütensuppen. Abends regnet es sich so richtig ein. Das treibt aber glücklicherweise die vier Touristen aus Estland, die schon ziemlich angedröhnt vor der Nachbarhütte Party machen, wieder nach drinnen.

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Sonntag, 03.06.2012  
Der Regen vom Vorabend ist immer noch da, sogar verstärkt. Aber es nutzt nichts, wir wollen weiter, wir haben uns vorgenommen, über den Trollstigen nach Geiranger zu fahren. Da will der Regen offensichtlich auch hin. Selbst der Regenkombi gibt sich irgendwann geschlagen, auch in den Stiefeln steigt der Wasserstand. Das Anti-Beschlag-Visier des Schuberth-Helms hat schon lange seine Funktion aufgegeben, im Blindflug gehts die Serpentinen hoch, zum Glück ist kaum Verkehr. In den wenigen Momenten, wo ich überhaupt was sehe, tut sich eine grandiose Kulisse auf. Fotos  können wir wegen des Regens keine machen. Der hört auf, als wir am höchsten Punkt angekommen sind. Dafür fällt plötzlich massenhaft Schnee, alle paar Meter ist das Visier zu. Rechts und links türmt sich der Schnee meterhoch auf, es scheint hier große Schneefräsen zu geben. Ein paar hundert Meter weiter ist erstmal Schluss: eine kleine Lawine hat die Straße zugeschüttet. An der rechten Fahrbahnseite ist eine Lücke, ich versuche, dadurch zu kommen und rutsche prompt mit dem Hinterrad von der Fahrbahn und lande im Schnee. Ralf hat seine Maschine abgestellt, gemeinsam wuchten wir meine V-Strom wieder hoch und auf die Fahrbahn. Mit den Stiefeln schaffen wir etwas Platz und bekommen auch Ralf´s Motorrad durch den Schneehaufen auf die andere Seite. Danach folgt ein etwas unspektakulärerer Abscnitt, bevor es dann über den Adlerweg runter nach Geiranger geht. Sehr schöne kurvenreiche Strecke, aber wir sind so nass und durchgefroren, dass wir da keinen Blick mehr für übrig haben. Da es auf dem unteren Campingplatz keine Hütten gibt, mieten wir uns einen Wohnwagen mit Vorzelt, Hauptsache trocken und warm. Den Rest des Tages sind wir damit beschäftigt, die Klamotten Stück für Stück an der Mini-Heizung zu trocknen. Morgen soll das Wetter besser werden, meint der Platzwart.

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Mitten im Geirangerfjord liegt mein persönliches “Traumschiff”, ein Schiff der Hurtigruten. Irgendwann fahre ich damit zum Nordkap

Montag, 04.06.2012  
Es regnet nicht, und drei große Kreuzfahrschiffe laufen in den Fjord ein. Dabei auch eins aus Nassau (Bahamas). Riesenspektakel mit Böllerschüssen und Schiffssirenen (wegen dem Echo), dann werden die Beiboote herabgelassen und der Run der Touristen auf die Souvenirshops in Geiranger beginnt. Wir fahren um 11.00 Uhr die Serpentinen hoch auf die Dalsnibba, eine traumhafte  Strecke mit tollen Kurven und Steigungen. Oben liegt meterhoch der Schnee, dazu scheint tatsächlich die Sonne, bei jedem Stopp geraten wir ins Schwitzen. Ein Wahnsinns-Panorama, das mit Fotos nur schwer wieder zu geben ist. Wir fahren weiter durch eine tundraähnliche Landschaft und entdecken plötzlich eine Herde wildlebender Rentiere mit Jungtieren. Wir fahren munter drauflos und merken plötzlich, dass wir uns ganz schön weit von Geiranger entfernt haben. Die gleiche Strecke wollen wir nun auch nicht wieder zurückfahren und entscheiden uns dafür, um das Gebirge Jotunheimen herum zu fahren. Eine Strecke von etwas über 220 km liegt vor uns und es ist bereits nach 20.00 Uhr. Alles halb so wild, wenn es nicht 50 km weiter kräftig zu regnen beginnen würde. Und unsere Regenklamotten hängen zum Trocknen im Vorzelt (wir wollten ja nur eine kleine Runde drehen!!). Der Regen hört zwar kurz darauf wieder auf, aber wir sind klatschnass und die Temperaturen fallen in den Keller. Die Strecke führt durch zahlreiche Tunnel und um etliche Fjorde herum. Zum Glück wird es hier nachts nicht dunkel, so dass wir gut auf Sicht fahren können. Gegenverkehr ist auch fast keiner da, wer fährt um diese Zeit schon durchs Gebirge. Zum Schluss geht es wieder über die verschneiten Serpentinen runter nach Geiranger. Irgendwie scheinen die Motorräder von alleine zu laufen, unser Fahrstil ist zeitweise grenzwertig. Kurz nach 24.00 Uhr stehe ich völlig durchgefroren unter der Dusche, irgendwann fühle ich auch Finger- und Zehenspitzen wieder. Ralf gehts nicht besser, auch er lässt sich mit heissem Wasser berieseln. Ich gönne mir noch einen heissen Kaffee und verschwinde im Schlafsack.

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Dienstag, 05.06.2012  
Wir nutzen eine der Waschmaschinen und waschen Socken, Handtücher und Unterwäsche. Dank ebenfalls vorhandenem Trockner geht alles relativ zügig. In der Zwischenzeit laufen wieder einige Kreuzfahrschiffe ein, darunter eines der Costa-Reederei. Hoffentlich geht das gut. Gegen 11.30 Uhr verlassen wir Geiranger und fahren wieder die Serpentinen hoch und weiter über Dalsnibba. Es ist diesig und kalt, die Gegend ist nur noch halb so schön und wir beschliessen, uns Richtung Schweden zu orientieren. In der Nähe von Elverum finden wir den einzigen Campingplatz in der Umgebung und zahlen dort (ungesehen) 65,-€ für eine “Hütte”. Wenn wir nicht eigenes Kochgeschirr dabei gehabt hätten, wäre das Abendessen ausgefallen. Die Hütte war von außen sehr schön, das Inventar eine einzige Zumutung, weitere Details erspare ich mir.

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Mittwoch, 06.06.2012 
Ich weigere mich, diese Duschen zu benutzen und begnüge mich mit einer Miniwäsche. Wir reisen früh ab, es ist trocken und die Regenklamotten sind im Koffer. Aber nach ca. 50 km geht es wieder los, rechts ran und rein in die gummierten Dinger. Kurze Zeit später überqueren wir die Grenze zu Schweden und irgendwie bleiben die Regenwolken in Norwegen. An einer Tankstelle legen wir eine längere Pause ein, wechseln die Socken, lassen die Stiefel in der Sonne trocknen und genießen die Wärme. Ich verstaue mein Regenzeug wieder im Koffer, Ralf traut dem Braten nicht und fährt weiter im Kombi. Einige Zeit später mache ich mir auf einem Rastplatz einen Kaffee und auch Ralf steigt auf normale Kleidung um. Am späteren Nachmittag checken wir auf einem sehr schönen und vor allen Dingen sauberen Platz ein. Wir bekommen eine schöne Hütte für 300 SEK und Ralf zerlegt gleich die Terrasse. Er hat Glück und verletzt sich nur geringfügig, das hätte auch anders ausgehen können. Der (holländische) Platzwart erscheint mit Brett, Hammer und Nägeln und behebt den Schaden. Wir geniessen noch zwei Stunden die Sonne, die Fotos dazu werden nicht veröffentlicht. Nach zwei Hamburgern unter Spiegelei versteckt und drei Dosen schwedischem Lidl-Bier (2,1% !!!) erklimme ich das Etagenbett, gut, dass das keiner sieht.

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Donnerstag, 07.06.2012 
Die Duschenbenutzung ist nicht durch Münzautomaten begrenzt und das wird erstmal ausgenutzt. Die nette Schwedin an der Rezeption versorgt uns mit frischen Brötchen, was normalerweise nur auf Vorbestellung möglich ist. Nach einem guten Frühstück orientieren wir uns wieder in südlicher Richtung und erreichen nach 319 km, einer Pause mit einem richtig guten Lachsbaguette und nur einer Regenschauer Ulricehamn. Ein Campingplatz ist schnell gefunden, die Frage nach einer Stuga wird positiv beantwortet, als wir dann allerdings den Preis von 1.195 SEK (ca. 135 EUR) hören, klappt uns die Kinnlade runter. Als wir der jungen Dame andeuten, dass uns das doch etwas zu viel ist, bekommen wir eine plötzlich eine Wohnung in einem schönen Holzhaus mit Wohn- und Schlafraum, Dusche und WC für 495 SEK (56 EUR). Versteh einer die Logik. Wir richten uns ein und fahren kurz in die Stadt zum Einkaufen, als wir zurückkommen, belegen gerade drei Berliner Biker die Wohnung neben uns (für 695 SEK=78 EUR). Wir braten uns ein paar kleine Schollenfilets, trinken zwei Dosen Mariestads (3,5 %) und schauen schwedisches Sportfernsehen.

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Freitag, 08.06.2012 
Der Himmel ist leicht bewölkt, sieht eigentlich gut aus. Wir frühstücken in Ruhe und packen unsere Sachen zusammen. Auch die Berliner reisen ab und wir quatschen draussen noch eine Viertelstunde. Dann fahren wir in Richtung Trelleborg, wir wollen dort noch eine Nacht verbringen und am nächsten Morgen mit der Fähre nach Rostock rüber. Je näher wir der Küste kommen, um so windiger wird es, 50 km vor Trelleborg beginnt es auch wieder zu regnen, gar nicht so doll, aber der scharfe Wind treibt das Wasser überall rein und nach einer halben Stunde sind auch die Stiefel wieder völlig durchnässt. In Trelleborg fahren wir einfach mal zum Fähranleger und fragen bei TT-Line nach den Abfahrtszeiten. Nach Rostock geht die nächste Fähre um 23.45 Uhr, nach Travemünde um 16:45 Uhr. Es ist 16.00 Uhr, wir entscheiden uns spontan und buchen eine Aussenkabine. Wir wollen uns brav einreihen, werden aber sofort durchgewinkt und fahren als Erste auf die Fähre. Nachdem wir die Kabine belegt und uns umgezogen haben, gehen wir nach oben aufs Deck und siehe da: der Regen ist weg und die Sonne scheint. Beleidigt gehen wir ins Schiffsrestaurant erstmal was essen. Danach schauen wir uns zusammen mit zwei Jungs aus Stuttgart das Eröffnungsspiel der EM an. Die Klimaanlage in unserer Kabine funktioniert nicht, die Luft wird immer stickiger. Dafür haben wir nicht bezahlt, also marschiere ich Richtung Rezeption. Die ist allerdings nicht besetzt, die einzige Uniformierte ist die Kassiererin am Duty-Free-Shop. Ein grosses Lob an die Dame: nach einigen erfolglosen Telefonaten wird sie selbst aktiv, holt in der Rezeption den Hauptschlüssel und öffnet uns eine gr0ße, unbelegte Kabine. Ich schlafe zwei Stunden, während Ralf sich noch das zweite Fussballspiel des Abends ansieht.

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Samstag, 09.06.2012 
Pünktlich um 0.45 Uhr legen wir in Travemünde an. Es ist gar nicht so einfach, zu den Motorrädern nach vorne zur Bugklappe zu kommen. Die Lkw´s stehen so eng, dass wir uns durchzwängen müssen. Wir fahren von Bord und packen draussen erstmal alles wieder richtig ein. Dann geht es in südlicher Richtung durch einsame Wälder, nicht ungefährlich wegen des zu erwartenden Wildwechsels, also lassen wir es langsam angehen. Kurz nach zwei Uhr treffen wir auf eine Raststelle, wo es um diese Zeit schon richtig gutes Frühstück gibt. Wir fahren gegen 3.30 Uhr wieder los, durch eine ländliche Gegend mit vielen kleinen Dörfern. Allmählich werden wir müde und beschliessen, eine Pension zu suchen, um ein paar Stunden zu schlafen. Das dauert allerdings noch etwas, es ist noch alles geschlossen. Unmittelbar an der Straße finden wir dann eine Raststätte, wo zwar auch niemand ist, aber eine Telefonnummer steht. Die rufen wir an und ein paar Minuten später ist auch schon jemand da. Wir werden uns schnell einig und können sofort die Zimmer beziehen. Heisse Dusche und ab in Bett, gegen 13.00 Uhr bin ich wieder wach. In der Gaststube gönne ich mir eine Suppe und einen Kaffee, von Ralf keine Spur. Da die Wirtin mir mitteilt, dass sie ab 17.00 Uhr nicht mehr im Haus ist, ordere ich für den Fernsehabend noch ein paar Flaschen Bier. Irgendwann taucht auch Ralf wieder auf, er hatte sich in der Gegend umgesehen. Wir genießen einen ruhigen Abend und schauen uns zwei Fußballspiele an.

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Sonntag, 10.06.2012 
Nach dem Frühstück fahren wir weiter in Richtung Süden, Ziel ist der Kyffhäuser, wo wir nach einer entspannten Fahrt durch eine schöne, aber relativ platte Landschaft gegen Mittag eintreffen. Dass der Turm restauriert wird und deshalb verpackt ist, hält mich nicht davon ab, nach oben zu steigen, wer weiss, ob ich hier noch mal hinkomme. Als ich oben angekommen bin, ist erst mal Schluss, gut, dass mich keiner sieht. Ich geniesse die Aussicht, mache ein paar Bilder und steige wieder ab. Unten am Imbiß ist natürlich eine Stärkung fällig. Dann rollen wir den Berg runter, immer schön rechts, denn es herrscht ein Verkehr wie bei einem Bergrennen. Die “Rennleitung“ mit der kleinen Laserpistole verzeichnet gute Einnahmen. Wir fahren weiter nach Thüringen ins Eichsfeld, wo wir nach einigem Suchen in einem kleinen Dorf ein schönes Hotel finden. Der Wirt sitzt alleine in seiner Gaststätte, wir setzen uns dazu, trinken ein paar Bier (ich Weissbier vom Fass!!) schauen auf einem Riesen-Fernseher Fußball, dazu gibt es ein tolles Essen, was will man mehr.

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Montag, 11.06.2012 
Aufgrund der Wettervorhersage für die nächsten Tage entschließen wir uns, nach Hause zu fahren. Es scheint zwar die Sonne, aber das soll nicht von langer Dauer sein, für den Nachmittag wird schon wieder Regen angedroht. Nach 360 km über Bundes- und Landstraßen treffen wir dann am späteren Nachmittag wieder in Goch ein, nicht ohne uns zwischen Bocholt und Rees wieder vor einer Regenschauer an einer Bushaltestelle Zuflucht zu suchen.
Wir waren 16 Tage unterwegs, haben dabei 5.268 km gefahren, richtig viel gesehen, mit dem Wetter nicht immer Glück gehabt, aber gefallen hat es uns trotzdem. Ich möchte irgendwann noch mal nach Norwegen, vielleicht die westliche Route fahren und dann hoch bis zum Polarkreis, wie gesagt: irgendwann.

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